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Ich heiße Till Walther, bin Jahrgang 1969 (statt Impressum: An der Wolfsgrube 7, 36272 Kerspenhausen, Tel. 06625-9159246, till@tafel.ws), bin mit Frau Walther verheiratet und unterrichte als Klassenlehrer, Biologie- und Erdkundelehrer bis hin zum Abitur an einer Waldorfschule bei Fulda. Zu Beginn meiner Klassenlehrerzeit 1999 fing ich mit der Tafelmalerei an - erst nur aus dem Kopf und immer schnell fertig (wenn auch diese Bilder schon auf positives Echo stießen), später dann mit immer mehr Aufwand, Zeiteinsatz und Spaß. Was dabei bisher herausgekommen ist, zeige ich dir auf diesen Seiten. Am liebsten male ich Tiere, aber auch für andere Unterrichtsfächer stelle ich mich gerne mal stundenlang an die Tafel.
Normalerweise ist man an Waldorfschulen entweder Klassenlehrer und unterrichtet seine Klasse acht Jahre lang (1. bis 8. Klasse) oder man ist Oberstufenlehrer, der von der 9. bis zur 13. Klasse eingesetzt wird. Diese Trennung ist ganz sinnvoll, denn die Ausbildungen sind unterschiedlich (um »ganz oben« zu unterrichten, braucht man das Erste und Zweite Staatsexamen, also die staatliche Ausbildung; als Klassenlehrer reicht einem die waldorfinterne Ausbildung) und die Stundenpläne ebenfalls. Da ein Klassenlehrer jeden Morgen seine eigene Klasse hat, kann er ja in derselben Zeit nicht Epochen in der Oberstufe geben. Dort wird aber auch epochal unterrichtet - das blockiert sich dann gegenseitig.

Es sei denn, man ist Klassenlehrer und bekommt für seine Oberstufenstunden Fachstunden. Das ist bei mir so; ich unterrichte Biologie in der Sekundarstufe II ausschließlich in Fachstunden. Tafelbilder male ich meist nur bis zur 8. Klasse; ein paar Ausnahmen kann es geben, wenn ich mal nicht in meiner Klasse bin, weil dort etwa ein Kollege Chemie gibt (ich hasse dieses Fach seit meiner Schulzeit), während ich im Tausch eine 10. Klasse drei Wochen lang jeden Morgen zwei Stunden in Bio habe (»Hauptunterricht«, die Haupt-Epochen-Leiste). Dort male ich dann auch Tafelbilder, denn auch große Kerle und junge Damen malen gern.

Den Hauptunterricht gibt es von Klasse 1 bis 13. Er hat in der Unter- und Mittelstufe folgendes Raster: musischer Teil (20 Minuten), Fachteil (60 Minuten), Erzählteil (20 Minuten). Bei uns beginnt der »HU« um 8.10 Uhr. Wenn nichts Aktuelles zu besprechen ist (»Der Fritz hat der Lisa gestern im Bus die Mütze weggenommen«), geht es sofort los mit dem Morgenspruch »Ich schaue in die Welt«. Anschließend (die Reihenfolge ist variabel) werden die »Zeugnissprüche« aufgesagt. Das sind kurze Sinnsprüche, die der Lehrer passend für jedes einzelne Kind aussucht und mit dem Zeugnis ausgibt. Nun wird ein jahreszeitlich oder zum Deutsch-Thema passendes Gedicht rezitiert (Beispiel: »John Maynard«) und geflötet, und zwar bei mir die kompletten vier Jahre durch - jeden Morgen. Das geht von Klassikern wie »Dona nobis pacem« über »Hejo, spann den Wagen an« bis hin zu Schandmaul mit CD-Begleitung. Hauptsache schön.

Bevor dann der eigentliche Unterricht mit dem Epochenthema beginnt, teile ich die neuen täglichen Mathehausaufgaben aus (»oh nee, nicht schon wiiieder«) und kontrolliere (und bespreche auf Wunsch) die vom Vortag. Die kommenden rund 50 Minuten findet dann Fachunterricht statt, beispielsweise Geschichte, Thema »Demokratie im antiken Griechenland«, wo dann unter anderem auch ein neues Tafelbild ins Epochenheft abgemalt wird. Um 9.30 Uhr, 20 Minuten vor der großen Pause, holen die Kinder ihr Futter raus und ich lese ihnen etwas vor - was sie sich wünschen: Krabat, 1000 Gefahren, Eragon ... - Klingt gut? Ist gut!
»Waldorfschule? Sind das nicht diese Sektenleute, und Rudolf Steiner, war das nicht dieser Rassist?« - Das ist ein Thema, das ich gar nicht mag, weil eine solche Unterstellung mit der von mir wahrgenommenen Realität absolut nichts zu tun hat, aber Leuten, die alles Andersartige nicht mögen, als Totschlagargument dient. Wer wie Steiner Sätze wie »Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit« von sich gibt, kann kein Rassist sein. Der Sprachgebrauch der damaligen Kolonialzeit (»Wilde«) war nun mal anders als unser politisch korrekter heute.

Mit einer Sekte haben »Waldorf« und die Anthroposophie ebenfalls nichts zu tun, weil erstens die Anthroposophie, die von Steiner eingeführte Weltanschauung, weder auf Mitgliedergewinnung noch auf Abhängigmachung aus ist - noch einem vorschreibt, was man zu glauben und zu denken hat. Jeder darf seinen Weg auf seine Weise finden. Ich beispielsweise bin kein Anthroposoph, ich bin nicht einmal religiös, aber das interessiert an meiner Schule nicht. Es ist unerheblich. Steiners Ideen bilden den Waldorf-Hintergrund, aber sie stehen nicht im Vordergrund.

Übrigens: Wusstest du, dass der Begriff »Waldorf« von der Zigarettenfabrik »Waldorf-Astoria« stammt, für die Steiner eine Werksschule für die Arbeiterkinder konzipiert hat? - Und nein, bei uns gilt wie an allen hessischen Schulen ein totales Rauchverbot. Schließlich gibt es die genannte Firma nicht mehr. ;-)
Was viele über Waldorfschulen wissen: »Da gibt es keine Noten und man bleibt nicht sitzen.« Das stimmt. Teilweise, denn »oben« kann man sehr wohl sitzenbleiben. Was gelegentlich behauptet wird: »An Waldorfschulen lernt man weniger.« Das stimmt nicht. Man lernt anders und Anderes, zumindest »unten«. In der Oberstufe gilt dann bei uns der hessische Lehrplan für Gymnasien. Der muss zu 100% eingehalten werden, schließlich gibt es am Ende ein Zentralabitur.

Was gelegentlich behauptet wird: »Kein Notendruck, keine Leistung.« Für einzelne Schüler mag das zutreffen, aber für die Mehrheit definitiv nicht. Bei uns gibt es Noten auf Wunsch ab der 9., verbindlich ab der 10. Klasse. Ende der 10. Klasse müssen die Schüler entweder die Versetzung in die Sekundarstufe II schaffen oder sie brauchen gescheite Noten für einen Haupt- oder Realschulabschluss, den es bei uns per Gleichstellungsantrag ohne Prüfung gibt.

Keine Noten zu geben oder zu bekommen bedeutet: Was für einen schwachen Schüler eine echte Leistung ist (zum Beispiel endlich einmal die Hälfte richtig beim Rechnen), darf im Kommentar »prima« sein, und ein guter, aber stinkfauler Schüler hört für die gleiche Leistung ein »Streng dich mehr an!«. Die individuelle Leistung ist wichtiger als ein abstraktes Klassenziel.

Ohne Notendruck und die Angst vorm Sitzenbleiben bringen es einige Schüler, denen man woanders sonst nur den Hauptschulabschluss ermöglicht hätte, weil sie viel zu früh durchs Raster gefallen wären, bei uns zum guten Realschulabschluss oder gar zum Abitur. So etwas gilt natürlich nicht für jeden schwachen Schüler, aber die Möglichkeit besteht - ohne Sitzenbleiben. Weil wir schwachen Schülern eine Chance geben, verspotten uns manche als »Deppenschule«.

Wir sortieren nicht bürokratisch nach Leistung aus, sondern legen viel Wert auf eine gute, leistungsmäßig durchaus heterogene Klassengemeinschaft, in der man sich hilft und nicht auf Kosten anderer profiliert. Und wenn ein Kind seine Kräfte nur schwer kontrollieren kann und anderen Kindern ständig wehtut, dann solltest du mal sehen, wie sanft es mit den Schafen umgeht, die es an der Leine zur Weide bringt - während die anderen Unterricht haben und Dinge lernen, die für solch ein Kind in dieser Phase wirklich nur zweitrangig sind.

Die PISA-Paniker streichen den Kleinen mehr und mehr die Kindheit (Unterricht schon im Kindergarten, »optimale Förderung« am Notebook, nachmittags privat mit Mama in irgendwelche Kleinkindworkshops - grausam). Einschulung mit fünf, Ende der Grundschule mit neun, Hauptschulabschluss mit vierzehn oder Abitur mit siebzehn, Examen mit einundzwanzig? Wer's mag ... Wir geben Schülern die Möglichkeit einer freien Entfaltung. Und, wenn nötig, auch einfach einer späteren Entfaltung. Ohne Aussortierung wie im dreigliedrigen Schulsystem. Ohne das Herausreißen aus dem sozialen Gefüge wegen Fünfern in Englisch und Mathe.

Manche Schüler brauchen die sportliche Herausforderung durch Noten, weil sie in den kognitiven Fächern gut sind, für Zweier und Einser (und Geld) alles tun und mit Freiwilligkeit nicht zu motivieren sind. Die sind an anderen Schulen möglicherweise besser aufgehoben. Aber dass man ohne Noten bis Klasse 10 nichts lernt, widerlegen die Abitur-Ergebnisse der letzten Jahre: Der Notendurchschnitt der hessischen Waldorfschulen lag beispielsweise 2006 bei 2,3, im Zentralabi 2007 bei 2,2 und 2008 bei 2,28. 2011 betrug er wieder 2,2 und war damit besser als der Landesschnitt von 2,4. Nicht schlecht für eine Deppenschule, finde ich.
Gelegentlich fragt mich jemand: Warum malst du Tafelbilder? Mit Overhead-Folien, Beamern oder meinetwegen auch Büchern kann man den Schülern doch ebenso gut zeigen, wie beispielsweise ein Zebra aussieht! Wozu sechs Stunden lang ein Zebra malen? Kurze Antwort: Freude an der Schönheit eines Tieres kann ich durch ein selbst gemaltes Bild viel besser vermitteln als durch eine technisch vielleicht atemberaubende, aber musisch-künstlerisch absolut wertlose Präsentation. Außerdem macht es mir einfach unglaublich viel Spaß! Und das überträgt sich zu 99% auch auf meine Schüler, die meine Bilder in ihre Epochenhefte übertragen. Der Aufwand, den ich betreibe (zwei bis sechs Stunden Malzeit für ein Einzelbild), ist allerdings Hobby und nicht Pflicht. Zwar malt so ziemlich jeder Waldorf-Klassenlehrer für seine Kleinen, aber die meisten sind schneller fertig als ich.

Wenn ich male, dann fast nur für meine eigene Klasse. Außerdem male ich nur alle paar Monate ein oder mehrere neue Bilder. Wenn es dann so weit ist, warte ich, bis Ruhe in der Schule eingekehrt ist und höchstens noch die Putzfrauen ihren Job machen. In Anwesenheit meiner Klasse will und vor Zuschauern kann ich nicht malen. Und was ich male, ist immer geheim - bis ich am folgenden Tag ein Ratespiel daraus gemacht habe, um welches Tier, welches Bauwerk etc. es sich denn handeln könnte. Dann: Tafel auf, Augen groß, Stolz.

Unsere Schule ist ab der 5. Klasse zweizügig. Ich habe mich auf die 5. Klassen spezialisiert, deren Schüler allesamt von Grundschulen kommen. Mittlerweile bin ich im vierten vierjährigen Durchgang von Klasse 5 bis 8. Als Klassenlehrer habe ich meine Klasse also insgesamt vier Jahre lang (Kollegen, die eine 1. Klasse übernehmen, acht Jahre!) jeden Morgen in den ersten zwei Schulstunden im Unterricht, außerdem kommen noch Übstunden und andere Fachstunden dazu. Bei mindestens zwölf Stunden pro Woche lernt man seine schnell wachsenden Kleinen über die Jahre richtig gut kennen. Im morgendlichen Hauptunterricht gebe ich als Klassenlehrer Fächer wie Deutsch, Geschichte, Mathe, Geometrie, Geologie, Physik, Biologie und Erdkunde. Die letzten beiden sind meine Studienfächer, alle anderen musste ich mir wieder aneignen. Für Biologie (Tierkunde), Erdkunde und Geschichte male ich eigentlich in jeder Epoche mindestens ein Tafelbild. Meist sind es mehrere großformatige, die jeweils eine Woche dranbleiben und dann ersetzt werden, oder ich male auf die komplette Innenseite der Tafel eine Viererserie, die mehrere Wochen stehenbleiben darf.

Die Unterrichtsinhalte wiederholen sich für mich in der Regel alle vier Jahre, aber ich male nicht alle vier Jahre wieder dieselben Bilder. Habe ich mit der einen Klasse Tiere Afrikas durchgenommen, sind es mit der folgenden vier Jahre später eben Tiere Asiens. Anders würde ich vermutlich schnell die Lust verlieren, außerdem sind eh nicht alle Tiere der Welt in vier Jahren zu schaffen. - So viel fürs Erste. Wenn dir meine Bilder gefallen haben, würde ich mich sehr über einen Kommentar im Gästebuch freuen. Dass du einzelne Bilder über die Buttons rechts daneben in Sozialen Netzwerken teilen kannst, hast du wohl längst bemerkt; mit den Buttons der waagerechten Leiste hier unten kannst du die komplette Themenseite teilen: